Netflix, Hulu, Last.fm – weltweit alles sehen und hören

 
Regionalcodes. Schon immer sehr beliebt bei der Filmindustrie um die internationalen Märkte zu kontrollieren. Auch in den Zeiten des weltweiten Internets verzichten die Rechteinhaber lieber auf das Geld außerhalb ihres Bereiches und bieten Streams und dergleichen nur in ihrem Gebiet, meist Amerika und England, an.
Der Konsument am europäischen Festland sieht dann durch die Finger, wenn er beispielsweise eine aktuelle Serie verfolgen will, über die das ganze Internet frohlockt.

Es bleibt nur
– sie halblegal bis illegal runterzuladen bzw. ebenso zu streamen
– 2-3 Jahre zu warten, bis die Serie eventuell nach Österreich kommt um sie dann schlecht synchronisiert
   um 2 Uhr morgens im ORF zu sehen
– mit ersteigerten US-Gutscheinen einen amerikanischen iTunes-Account anlegen und Serien um
   etwa 20-50$/Staffel kaufen
– DVDs importieren
– Abos kaufen, um kostenpflichtig sehen zu können, was für andere Regionen frei verfügbar ist
– mit Proxies jonglieren, Hotspot-Shield oder TOR verwenden, um im Schneckentempo die Sperren
   zu umgehen

oder

– sich einen Zugang zu einem VPN-Server kaufen

Und genau das hab ich jetzt mal probiert. Es mag für einige meiner Leser wohl ein alter Hut sein, aber für alle Neulinge/Interessenten stelle ich mich mit diesem Post als Testperson der neuen Welt der amerikanischen Unterhaltung zur Verfügung.

Einfach gesagt ist ein VPN (“Virtual Private Network”) ein sicherer Tunnel quer durch die Weiten des Internet – in diesem Fall nach Amerika. Die eigene IP wird verborgen, der Traffic komplett verschlüsselt und nicht mitgeloggt. Man bekommt eine eigene dynamische IP des VPN-Servers, ist dann also ein virtueller Einwohner desjenigen Landes.

VPN-Services gibt es zur Genüge, sind aber in der Regel leider nicht billig. Nach einigem Suchen bin ich jedoch auf ein exzellent bewertetes Service zu einem unwiderstehlichem Preis gestoßen. BlackVPN.

BlackVPN hat 3 Server im Angebot. Einen in Chicago (USA), um die US-Dienste nutzen zu können, einen in England für BBC oder Spotify-Streaming und einen in den Niederlanden, dezidiert der anonymen Nutzung von Torrent- und P2P-Services gewidmet (gut, wenn zB. solche Dienste vom ISP (Internetanbieter) geblockt/gedrosselt werden). Von der Verwendung von Torrents auf den UK/US-Servern wird dringend abgeraten, weil der Download in diesen Ländern illegal ist und Klagen ausdrücklich an den Nutzer weitergeleitet werden.
Verschlüsselt wird mit PPTP (256bit) oder OpenVPN (2048bit) und man kann den Server auf allen gängigen Betriebssystemen, sowie am iPhone und iPad problemlos und unkompliziert nutzen. BlackVPN loggt nichts mit, außer welche IP man zu welchen Zeiten gehabt hat.
Die Zugangsdaten kommen innerhalb von wenigen Minuten und der Support antwortet nahezu in Sekundenschnelle auf Anfragen.
Kosten tut der Spaß 5€ im Monat für einen und 10€/Monat für alle drei Server, wobei man mit dem Gutscheincode WPURVPC ein beliebiges Paket drei Monate zum Preis von einem bekommt.

Der Zugriff bzw. Wechsel von Server zu Server funktioniert in wenigen Sekunden entweder direkt in den systemeigenen Netzwerkeinstellungen (mit dem schwächer verschlüsselten PPTP) oder mit frei verfügbaren Programmen wie OpenVPN (Windows) und Tunnelblick (OSX), die das stärker verschlüsselte/anonymisierte Protokoll unterstützen.
 
 
Nette Services, die man damit nutzen kann:

Hulu
ein Videostreamingservice, dass Content von NBC, Fox, ABC und vielen anderen Networks enthält. Die Serien sind tagesaktuell, teilweise in HD und mit Werbeunterbrechungen.

Last.fm
DAS Internetradio schlechthin, welches sich an deinen Musikgeschmack anpasst, indem es deine Hörgewohnheiten von allen möglichen Programmen und Devices sammelt (“scrobbelt”) und in Vorschläge umwandelt. Gibts auch bei uns, kostet jedoch für Nicht-Amis 3€ im Monat.

Spotify
Die Verschmelzung der eigenen Musikbibliothek mit dem Riesenarchiv am Spotify-Server. Gibts auch bei uns, jedoch für Nicht-Engländer um 10€/Monat.

Pandora
Das einfache, minimalistische Spotify. Beliebtestes Internetradio in den USA. Schlägt basierend auf Musikanalyse ähnliche Musikstücke zu einem festgelegten Artist vor.

Netflix
verantwortlich für 20% des US-Traffics, und 95%(!!!) der gesamten Bandbreite Canadas zur Primetime ist dieser Online-Videoverleih. Für lächerliche 9$ im Monat kann man unlimitiert jederzeit die komplette Videosammlung (17.000 Titel) streamen. Da der VPN-Server die Geschwindigkeit durch Serverlast/Verschlüsselung drosselt bzw. lt. deren Support mein ISP (UPC) nicht genug Kapazität hat, die zahlreichen Zugriffe auf den Server staufrei abzuwickeln, kommt es jedoch ab und zu zu kurzen Buffer-Unterbrechungen zur Primetime um 22:00 Uhr herum. Da die Qualität des Streams auch von der Verbindungsgeschwindigkeit abhängt, wird auch die Bildqualität gedrosselt. Auf Computermonitoren voll ok, für Besitzer eines Flatscreen-TVs aber eher unbrauchbar. Noch.

Boxee
Ein Mediacenter, bedienbar mit Fernbedienung/iPhone und tolles tolles Bindeglied zwischen den obigen Diensten und der eigenen Mediensammlung. Holt sich aus zahlreichen Quellen die neuesten Filme und Serien, die direkt abgespielt werden können. Zahlreiche Plugins (Flickr, Netflix, Last.fm, TED, …) verfügbar.

Andere Services
Viele Websites bieten ihre Angebote oder Beta-Accounts nur im eigenen Land an, Services und Features in Sozialen Netzwerken werden oftmals zuerst an amerikanische IPs ausgerollt, Fernsehsender haben Mediatheken oder Livestreams mit Regionalbeschränkungen, Youtube-Videos können aus rechtlichen Gründen in einigen Regionen nicht angesehen werden etc…

iPhone/iPad
Für alle Services gibts natürlich auch Apps für unterwegs, das VPN lässt sich kinderleicht einrichten. Netflix-Filme übers 3G sind kein Problem. Normalerweise kann man nur mit je einem Device auf einen Server zugreifen, kauft man jedoch alle drei Länder, kann man auch mit unterschiedlichen Geräten durch 3 Tunnel gleichzeitig surfen.

Geschwindigkeit
Wie schon oben erwähnt, kann diese jederzeit schwanken bzw. kurzzeitig verstopfen. Mir kommt es aber vor, als würde es jeden Tag besser funktionieren.
Ein Test an einem Montag Nachmittag gab folgende Werte:
AT: 2,65Mb/s down, 0,81Mb/s up, 66ms Ping
NL: 8,89Mb/s down, 2,04Mb/s up, 111ms Ping
UK: 1,22Mb/s down, 0,71Mb/s up, 130ms Ping
USA: 1,19Mb/s down, 1,10Mb/s up, 171ms Ping
am selben Tag zB. hatte ich am Abend 30 Minuten “Verstopfung” beim US-Server: 0,3 down und 0,04 up, 456 Ping.

Als Fazit kann ich jedem Musik, Film- und Serienfan, der sich sein Zeug gerne im englischen Original reinzieht nur empfehlen, diese Vorgehensweise mal auszuprobieren. BlackVPN bietet eine 14-Tage Geld-Zurück-Garantie bzw. sind 5/10€ für 3 Monate (mit Gutscheincode WPURVPC) auch kein Beinbruch und der einzige vorgestellte Bezahldienst Netflix bietet ein freies Probemonat – man hat also nicht viel zu verlieren. Außerdem sind damit die Zeiten des downloadens/DVD rippens vorbei und das schlechte Gewissen entfällt bei der Nutzung dieser legalen Dienste.
Ein netter Zusatz (viele werden VPN auch nur deswegen nutzen) ist die komplette Anonymität. Kein ISP/Hacker kann Traffic abfangen und lesen und man muss sich z.B. nicht vor Attacken in einem öffentlichen WLAN fürchten.

Lasst mir eure Erfahrungsberichte, Hinweise und Tipps in den Kommentaren unten da!

UPDATE: Michael Schmid hat eine Möglichkeit gefunden, nur jene Pakete über VPN zu routen, die man für den Locationcheck bei Netflix auch wirklich benötigt. Das Streaming selbst funktioniert dann über die volle Bandbreite im Heimatland.
Man braucht dafür lediglich einen Router, der VPN unterstützt (an dieser Stelle ein herzliches **** *** an AVM resp. Fritz.Box, die seit Jahren unfähig sind, Treiber, Updates, VPN-Funktionen und neue Firmware ihrer Router für OSX-User herzustellen).

Folgende Pakete muss man laut dem Blogbeitrag routen:
netflix.com (IP 208.75.79.17)
www.netflix.com (IP 208.75.79.17) und
agmoviecontrol.netflix.com (IP 208.75.76.32)

Diese Vorgehensweise scheint leider nicht softwaremäßig im System zu funktionieren. Meine Versuche über die Funktion “VPN on Demand” am Mac ließ mich zwar einloggen und Filme auswählen – beim Start des Streams war jedoch Sense.

Für sachdienliche Hinweise, wie es dennoch funktionieren könnte bzw. wie man andere Services “austrickst” habe ich ein offenes Ohr!
Theoretisch könnte man nämlich das englische Spotify durch den UK-Server, Last.fm, Hulu, Netflix oder seine Spielekonsolen über den US-Server und Downloads udgl. durch den NL-Server routen. Wer will ein Programm dafür schreiben? 😉

12 Responses to “Netflix, Hulu, Last.fm – weltweit alles sehen und hören”

  1. Georg Mahr says:

    Danke für den ausführlichen Artikel – werde mir das auch mal näher ansehen. Verzweifelte vorgestrn wegen Spotify und Länderbeschränkung..

    Auch last.fm wäre interessant. :-)

  2. Dyrnberg says:

    Hochqualitativer Content. Respekt und danke.

  3. […] In meinem letzten Blogeintrag habe ich mich ausführlich mit VPN-Netzwerken beschäftigt. Man kann damit nicht nur […]

  4. Alex says:

    Wow, davon bin ich echt begeistert. Sehr tolle Artikel die du da schreibst!

  5. nobody says:

    hi,

    nur weil ichs grad gelesen hab. blackVPN ist zwar toll, gibt aber im falle von copyright fragen die daten alle an den staat raus (in dem fall glaub ich kanada)

    cheers

  6. nacaseven says:

    ähm… BlackVPN hat keine Server in Kanada, wie soll da kanadisches Recht geltend gemacht werden?
    Du versprichst bei der Nutzung der US/UK-Server, kein copyrightgeschütztes Zeug herunterzuladen – da könntens dich kriegen, da die Gesetze in diesen Ländern diesbezüglich restriktiv sind. Der Server in NL ist für alles offen, mann muss halt immer gemäß den derzeitigen Bedürfnissen wechseln oder am Router pro Zugriff den “richtigen” Server einstellen.

  7. Bernd says:

    hi, super Artikel.
    Wollte das gleich probieren, aber wie hast du es geschafft bei netflix zu bezahlen?
    Habe keine amerikanische Kreditkarte und paypal lässt er auch nicht zu, wenn dort eine Nicht-US-KK hinterlegt ist.

    Danke,
    bernd

  8. timt says:

    Ich hab auch keine amerikansiche Kreditkarte – Netflix hat sie aber trotzdem akzeptiert…
    Paypal leider nicht, aus irgendeinem Grund konnte ich mich ueber die VPN da nicht einloggen weils immer %40 aus dem @ machte :p

  9. Thank you for the information. I have bookmark this blog.

  10. […] BBC iPlayer sind da nur zwei prominente Beispiele. Einen lesenswerten Artikel dazu hat übrigens Dominik Gubi […]

  11. Austin says:

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