Das Aus für die Freitagsrunde

Dass wahrlich inspirierende Lehrveranstaltungen selten sind, hab ich in den letzten Jahren ja schon des Öfteren erfahren müssen. Nur ab und zu verbirgt sich in dem Mikrokosmos Uni eine wahre Perle, die dich geistig oder fachlich/handwerklich so nach vorne katapultiert, dass sich dein ganzes Leben verändert. An einer anderen Stelle habe ich schon mal darüber gebloggt – über meine Lieblingsvorlesungen, die mich inspiriert hatten und letzlich meinen individuellen Weg durchs Studium gelenkt haben… und dass dies heute aufgrund dem Trend zu fixen Studienplänen und Erweiterungscurricula heutzutage gar nicht mehr möglich ist.

Umso schmerzhafter ist es, wenn man dann solch lehrreichen, oft mit Individualismus und Herzblut geleiteten Lehrveranstaltungen beim Aushungern und Absetzen zusehen muss. So zum Beispiel dieses Semester der Freitagsrunde. Eine Vorlesung mit viel Geschichte. 1978 unter dem Namen “Kleinelektronik & Videotechnik” von Prof. Arnold Meyer-Lange gegründet, wurde der Lehrinhalt seither von Jahr zu Jahr optimiert um den StudentInnen den Weg von der Idee bis zur fertigen Sendung erläutern zu können.

Das Wintersemester war für die Theorie da. Von der Lehre, wie der Weg bis zum fertigen Drehbuch aussieht und wie eine gute Story aufgebaut ist, bishin zu Gestaltungsmitteln und Einstellungsgrößen. Erklärt wurde dies nicht nur vom Lehveranstaltungsleiter Peter Baminger selbst, sondern auch von namhaften Gastvortragenden vom Fernsehen (Christoph Feuerstein), Radio (Claudia Lahnsteiner), Theater (Markus Kupferblum) und Film (Oscarpreisträger Stefan Ruzowitzky). Ständig gab es auch Einladungen, bei Produktionen dieser auf verschiedenste Weise mitzuwirken – oder man ging zumindest miteinander auf ein Bier.

Im zweiten Semester passierte nichts geringeres, als dass man in einer Gruppe mit klarer Arbeitsaufteilung so professionell wie möglich einen Kurzfilm dreht. Was konnte man sich als Student (nicht nur) der Theater-, Film- und Medienwissenschaften sehnlicher wünschen, als endlich sein jahrelang theoretisch erlerntes “Instrument” auch einmal spielen zu dürfen.
Die fertigen Filme konnte man dann jeweils zu Semesterende in einem eigens angemieteten Kino auf der großen Leinwand in bester Auflösung und Qualität bewundern.

Ich hatte schon einige Vorlesungen und Übungen an der Theaterwissenschaft (die ich dann GsD nicht pflicht-besuchen musste) und ich will gar nicht anfangen, was da für komische Lehrinhalte dabei waren. Von Lehrziel “sei physisch anwesend” bishin zu “wir sehen uns im Unterricht eine Staffel Dexter an und halten Referate” war einiges dabei, was einsparenswert ist – aber man sucht sich lieber eine der beliebtesten, anspuruchsvollsten, fordernsten und lehrreichsten des Studienplanes aus mit der Begründung, auch einmal anderen, forschungsgeleiteteren Lehrveranstaltungen bzw. neuen Lektoren eine Chance geben zu wollen.

Aber was gibt man dafür auf…?

In Österreich gibt es keine Hochschulausbildung in Richtung Film (und auch nicht für Fotografie übrigens). Nun ja, es gibt die Filmakademie, wenn man Lust auf massives Aussiebverfahren und typisch anspruchsvollen/österreichischen Film hat und diverse Lehrgänge mit Gebühren im vier bis fünfstelligen Bereich, aber nichts für den “Durchschnittsstudenten”. Selbiges gilt auch für die Schauspielausbildung. Nur 2 Schulen in ganz Österreich bilden für den Film aus, unzählie fürs Theater. Will man Filmförderung erlangen, muss man sich auf monatelange Arbeit einstellen. Das bedeutet, die Szene hier ist klein und bleibt dies im professionellen Sektor wohl auch noch länger. Jedoch ist durchaus riesiges Interesse vorhanden, hier mitzuwirken, nicht zuletzt durch neue leistbare Filmtechnik.
Die Freitagsrunde hat hier etwas mitgeholfen, die Indie-Szene zu stärken und Leute für das Medium Film zu begeistern, indem man ihnen zeigt, wie man Richtig ans Werk geht.

Alleine unser kleines Team, eines von 40 pro Semester, konnte schon einiges bewirken. Nicht nur, dass wir vor lauter Motivation 2 Filme parallel gedreht haben, wir konnten auch viele Schauspieler, Musiker, Filmemacher, Förderer,… von unseren Konzepten überzeugen. Schließlich lief alles so gut, dass wir uns fortan Slice of Life nannten, um dem Kind einen Namen zu geben und unser Hobby extern erweitern zu können.
Innerhalb eines Jahres konnten wir auf 3 Filmpremieren in 3 Kinos, eine Buchveröffentlichung, eine Lesung, zahlreiche Castings und unzählige Synergien und Meta-Synergien zurückblicken. So tauchten bereits bei unserem zweiten Casting 140 Schauspieler auf, die nicht nur die Atmosphäre schätzten, sondern auch diese Plattform zur weiteren Vernetzung nutzten.
Wie gesagt, wir waren eines von vielen Teams und ich traue mich behaupten, dass die Freitagsrunde durchaus indirekt einen signifikanten Einfluss auf die österreichische Filmlandschaft hat(te).

Kommen wir aber nochmal zurück auf unsere Filme… Film Nummer 2 war ein Kraftaufwand, dem wir allesamt unsere gesamte Freizeit widmeten. Ein ganzes Unisemester lang. Wenn man keinen Einblick hat, weiß man gar nicht, was das überhaupt für ein Aufwand ist. 7 Schauspieler trainieren und zeitlich mit dem Team koordinieren, Drehorte finden und unmengen an Equipment und Personen quer durch Österreich führen. Mit dem Lehrveranstaltungsleiter bzw. seinen Helferleins streiten, wieso der Film so lange zu sein hat, wieso man sich nicht an Regeln halten will oder wieso man den Film im Kino in FullHD und nicht in SD sehen will. Beleuchten, überspielen, schminken, korrigieren, drehen, schneiden, Vorrichtungen basteln.
Ohne einen Cent daran zu verdienen und jedes Fuzerl Requisite oder Equipment aus eigener Tasche bezahlen zu müssen.

Und dies alles zum ersten Mal machen.

Die Premiere, auch wenn der endgültige Weg dorthin noch ein turbulenter war, hat uns dann allerdings für den ganzen Aufwand entschädigt. Das Feedback war phänomenal und alle Mitwirkenden mit dem Ergebnis zufrieden. Natürlich ist es hart, einen solchen Film nach so viel Arbeit außerhalb eines Kinos bzw. gratis zur Verfügung stellen zu wollen… aber angesichts der Auflösung der Institution “Freitagsrunde” nach 32 Jahren haben wir uns als Team entschlossen, unser Werk online zu stellen und es Peter Baminger bzw. dieser Lehrveranstaltung zu widmen.

Ich wünsche gute Unterhaltung mit “Die Verantwortung des falschen Versprechens“!

Ps.: Wir freuen uns über jedes Feedback – am besten direkt beim Video oder auf unserer Website www.sliceoflife.at! Das hält uns am Leben (aber Spenden oder Sponsoring sind auch gerne gesehen).

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