Forschung Spezial: Fernsehen 2.0 – Teil 2

Teil 2 von meiner Forschungsarbeit zum Fernsehserienkonsum.
Hier gehts zum Vorwort und hier zum Teil 1!

Bei der Frage nach der Motivation, sich TV-Serien herunterzuladen, antworteten 87% bei “weil es die Serie/die Episode noch nicht im TV spielt” mit ‘trifft zu’ bzw. ‘trifft eher zu’. Sich eine Serie zu holen, die in unseren Breiten noch nicht verfügbar ist bedeutet meist, sie im Originalton sehen zu müssen/können, weshalb ich ein paar Worte zur Synchronisation vorwegnehmen will.

(Quelle: Wikipedia, Häsk)

In Europa gibt es weniger Länder, die Filme synchronisieren, als man vermuten würde. Der Vorteil der Synchro ist die Rezeption in der eigenen Muttersprache und die damit einhergehende optimale Verständlichkeit des Gesprochenen für alle Altersgruppen. Das ist sicher wichtig und richtig für die Erhaltung des wichtigen Kulturgutes. Will man aber im Originalton sehen, hat man im TV nicht sehr viele Möglichkeiten dazu, der ORF zeigt beispielsweise nur 5 Serien und keine Filme in OV.

Da ich persönlich nicht im Besitz eines TV-Gerätes bin und immer alles im O-Ton sehe, wird mir jedesmal übel, wenn ich mal eine synchronisierte Serie sehen muss. Sie wirkt dann billig, künstlich und ganz anders wie ich sie kenne. Warum ist das so?

Sprache trägt Kultur. Jede Stimme, jeder Dialekt ist einzigartig. Hispanics, Asiaten, Inder, Afroamerikaner, Engländer, Amerikaner, etc. haben in englisch sprachigen Filmen ihre verschiedene Sprachklänge, Slangs, Tonhöhen, Akzente. SchauspielerInnen machen oft monatelang Sprachtrainings für ihre jeweilige Rolle. Im Synchronisationsstudio werden dann alle Personen von Deutschen/Österreichern gesprochen und klingen somit ziemlich gleich. Weiters geht Atmosphäre verloren. Geräusche und Dialoge werden bei der Produktion fast ausschließlich direkt aufgenommen. Die Schauspieler sprechen gegen Wind an oder gegen Regen oder im Restaurant gegen die murmelnde Masse. Im Tonstudio müssen die Töne und Dialoge dann nachgebaut werden, was je nach Budget mehr oder weniger gut funktioniert und oft in eine deutlich lautere Sprachspur mit ein paar leiseren Nebengeräuschen mündet.
Zuletzt noch die Übersetzung selber. Wortspiele werden eingedeutscht und ergeben keinen Sinn mehr, Passagen werden zensiert und aus geläufigen Floskeln wie “motherfucker” wird “Schweinebacke” oder “Böser schwarzer Mann”.

Wieso ich das so genau ausführe? Wegen diesem Ergebnis:

Online Content-Konsumenten scheinen Synchronisierungen richtiggehend zu hassen. 0% sehen TV-Serien ausschließlich auf Deutsch und nur etwa 7% geben an, übersetzte Episoden gerne zu sehen. Das genaue Gegenteil zeigt sich beim O-Ton. 80% sehen Serien sehr gerne im englischen Original, ca. 30% sogar exklusiv.
Vor etwa 20 Jahren haben Georg-Michael Luyken et al erhoben, dass 78% der Deutschen mit der Sprachanpassung zufrieden waren – ein Update dieser Erhebung sowie ein Überdenken des mageren O-Ton-Angebots im TV sollte nun dringend angedacht werden.
Über 70% laden nämlich gerade wegen dem Originalton aus illegalen Onlinequellen.

Dieses Diagramm führt nun auch zur Nummer drei der Downloadgründe – die Unmöglichkeit eines legalen Kaufes.
Meine Erhebungen haben ergeben, dass die meisten ÖsterreicherInnen und Deutschen (aus der Stichprobe) bereit wären, für das digitale Gut zu bezahlen. Das beliebteste Modell ist die Flatrate, d.h. ein monatlicher Fixpreis mit unbegrenztem Zugang zum Videomaterial – 88% würden dafür bezahlen, dicht gefolgt mit 84% für Einzelkauf. Unbeliebter hingegen ist die digitale 24h Miete mit nur 68% potentiellen Kunden.

Die grünen Balken zeigen den Gesamtdurchschnitt, die gelben den Durchschnitt nur derjenigen, die mehr als 0€ ausgeben würden. Die blaue Linie zeigt den Vergleich mit bereits existenten Modellen in den Vereinigten Staaten. Als Beispiele wurden die Preise von iTunes (Kauf, Miete) und Netflix (Flatrate) herangezogen und in Euro umgerechnet.

Sieht man sich die Ergebnisse an, wäre es also angebracht, sich schleunigst Geschäftsmodelle für den europäischen Raum einfallen zu lassen. Ginge es nach dem Kundeninteresse, wäre es durchaus kein Problem, Netflix, Hulu, etc. einfach weltweit freizugeben, anstatt irgendwelche regionalen Lösungen mit synchronisierten Serien zu unverhältnismäßig hohen Preisen zu forcieren.

Weiter zu Teil 3

3 Responses to “Forschung Spezial: Fernsehen 2.0 – Teil 2”

  1. Thomas says:

    Hallo erstmal und vielen Dank für’s Teilen deiner Bakk-Arbeit hier. Ich find ja irgendwie, dass das alle unsere Kolleginnen und Kollegen am IPKW machen sollten …

    Jedenfalls sehr interessante Ergebnisse die sich auch mit der Beobachtung aus meinem studentischen Bekanntenkreis decken.

    Nur eine Frage: Du schreibst “Meine Erhebungen haben ergeben, dass die meisten ÖsterreicherInnen und Deutschen bereit wären, für das digitale Gut zu bezahlen.”
    Glaubst du, eine für Österreich representative Studie wäre zum gleichen Ergebnis gekommen? Dein Sample (in dem ich auch bin 😉 ) ist ja durch die Verbreitung auf Facebook und Twitter – und vermutlich dein eigenes soziales Netzerk – nicht gleichbedeutend mit ÖsterreicherInnen und Deutschen. Das andere ist natürlich die Sache mit Fragen nach Verhalten wie Zahlungsbereitschaften. Ich hab’ in einem Consumer Behavior Buch mal davon gelesen, dass man diese Aussagen – ebenso wie Fragen nach der Wahrscheinlichkeit von gewissem Verhalten – schon ziemlich stark abrunden muss.

    Aber auch als Aussage über jüngere- und social-media-affine Menschen ist es schon ein ziemlich interessantes Ergebnis, das Anbietern wie Sky, aber vor allem auch dem ORF zu denken geben sollte.

  2. nacaseven says:

    Danke für dein Kommentar, Thomas!

    Meine Grundgesamtheit sind natürlich die Social Media – Nutzer wie im ersten Teil beschrieben und ich beziehe mich nun automatisch darauf. Ich werde es vielleicht in diesem Fall noch etwas verständlicher formulieren… das Ergebnis kann natürlich nicht für alle ÖsterreicherInnen gelten, aber es gibt eine eindeutige Richtung vor, was der User in Zukunft erwartet und wie er die Medien nutzen wird.
    Gibt es nicht schleunigst ein Modell, wird die Unterhaltungsindustrie eben leer ausgehen – der potentielle Konsument findet immer einen Weg.

    Ich denke schon, dass sich VERNÜNFTIGE Bezahlmodelle durchsetzen werden. Wenn ich einen Film in SD-Version um 15€ DRM-geschützt runterladen kann, den ich auf BluRay um 7€ bekomm, wirds nicht funktionieren.

    Oder man sieht es so:
    GIS = 23€/Monat für ein paar crappy Shows und synchronisierte US-Serien
    Netflix = 6€/Monat für tausende Filme und Serien jederzeit und ohne Werbung

    in welche Richtung wird die Zukunft wohl gehen? 😉

  3. Radio says:

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